DAS JAHR DES TIM

Timbaland auf der Überholspur

Bei den lieben Chinesen gibt’s ja bekanntlich ein etwas anderes Horoskop. Nicht Schütze, Fische oder Wassermann bestimmen das Leben in Fernost, es sind Hunde, Katzen und Drachen. Das Jahr 2007 allerdings könnte, jedenfalls was das Musikbusiness angeht, durchaus als Jahr des „Tim“ durchgehen. Denn heuer hat niemand die ganze Szene so beeinflusst wie Tim Mosley, vielen vielleicht besser bekannt als Timbaland.

Angefangen hat alles in Norfolk, Virgina. Dort machte sich Mosley als „DJ Timmy Tim“ einen Namen. Er und Jugendfreundin Missy Elliott experimentierten aber schon bald mit eigenen Samples und Rythmen. Der Schritt zum Songschreiben war dann natürlich ein kleiner. Innerhalb kürzester Zeit schrieb und produzierte Klein Timmy überaus erfolgreiche Alben für Aaliyah und Ginuwine. Timbaland hatte den Durchbruch geschafft, zumindest als Mann hinter den Kulissen. Und das war ihm auch gar nicht so unrecht, denn Mosley schätzte die Freiheiten, die man in der Anonymität des nicht auf der Bühne stehenden Künstlers hat. Doch nachdem er für Größen wie Destiny´s Child oder Nas sehr erfolgreich war, wollte er es doch einmal wissen. Kann der Ende der 90iger einflussreichste Hip-Hop- und R´n´B-Produzent auch als Künstler erfolgreich sein? Leider nein, die drei „Soloalben“, die er gemeinsam mit Jugendfreund Magoo herausbrachte waren mehr oder weniger allesamt Flops.

In Amerika nur von Insidern geschätzt, wurden die Werke im Rest der Welt gar nicht veröffentlicht. Timbaland blieb, diesmal allerdings ungewollt, in der Anonymität. Doch 2006 kündigte sich eine Wende an. Nelly Furtado, bis dato schon eine erfolgreiche Solokünstlerin, bat Timbaland ihr neues Album zu produzieren. Sie wollte weg vom Seicht-Pop-Image und konnte sich keinen besseren als Tim Mosley vorstellen, um ihr neues Album zu produzieren. „Loose“, so der Name des Meisterwerks, wurde zu einem der meistverkauften Alben des Jahres, sogar heuer geht es noch weg wie „geschnitten Brot“. Die erste Single „Promiscuous“, die unter anderem auch Vocals von Timbaland enthielt, war ein Nummer-Eins- Hit von Neuseeland bis in die USA. Projekt Nummer zwei im Jahre 2006 war dann das Album von Justin Timberlake, welches er komplett produzierte und das ebenfalls seine Vocals auf der ersten Single „Sexyback“ enthielt. „Futuresex/Lovesounds“ verkaufte sich sogar noch besser als der Longplayer von Ms. Furtado und machte nicht nur aus Justin einen Megastar. Auch Mosley war auf einmal ein Weltstar, man schrie förmlich nach einem Album des „Wunderproduzenten“. Im April 2007 war es dann soweit: „Timbaland presents: Shock Value“ kam auf den Markt, und mit ihm die erste Single „Give it to me“, für die Timmy seine Freunde Justin Timberlake und Nelly Furtado gewinnen konnte. Die Single wurde ein Hit, das Album tat sich anfangs noch schwer. Doch spätestens seit Single Nummer zwei „The Way I Are“ war jedem klar, dass man sich das Album wahrscheinlich doch wenigstens einmal anhören sollte.

„Shock Value“ kann durchaus als Meilenstein der Popmusik bezeichnet werden. Seit fünf Jahren ist kein Album so abwechslungsreich, so unglaublich produziertworden, hat so viele Ausnahmesongs und so viele Gaststars. Größen wie Nelly Furtado, The Hives, Fall Out Boy, Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls oder sogar Elton John geben sich die Ehre und lassen es sich nicht nehmen, mit Tim Mosley alias Timbaland gemeinsam Musikgeschichte zu schreiben. Und so ganz nebenbei verhilft er auch noch bis dato Unbekannten zu Weltruhm. „OneRepublic“, eine US-Band, deren Debütalbum erst Ende November erscheint, sind durch die dritte Single aus „Shock Value“ schon jetzt Superstars. „Apologize“ ist der nächste, aber sicherlich nicht der letzte Hit aus dem Megaalbum. Es ist einfach sein Jahr – das Jahr des Tim.

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