JETZT KOMMT DIE INTERNATIONALISIERUNG
Die TechnikerInnen von morgen
Die Berufswelt der TechnikerInnen von morgen erfordert mehr Qualifikationen als je zuvor – sie war aber auch noch nie so chancenreich.“ Arthur Schneeberger, Experte für Bildungsforschung, sieht technische Berufsfelder kommen, die alles andere als theoretisch und trocken sind.
Welche Aussichten haben junge Menschen, die sich heute für eine Ausbildung und einen Beruf mit technischem Schwerpunkt entscheiden?
Alle Untersuchungen sagen, dass Berufe im Bereich der Forschung und technischen Entwicklung sehr gute Zukunftsaussichten haben, also langfristig auch eine gewisse Sicherheit bieten, was die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt betrifft. Und es zeigt sich, dass die Berufsbilder und die Sparten, in denen TechnikerInnen gebraucht werden, immer vielfältiger werden. Dieser Aspekt wird oftmals zu wenig erkannt, weil die Schulen kaum Einblick in die Realität der Firmen und Betriebe bieten. Daher kommt auch das Vorurteil, technische Berufe seien theoretisch und trocken. In Wirklichkeit gibt es im Forschungs- und Entwicklungsbereich niemals Monotonie.
Das heißt aber sicher auch, dass die TechnikerInnen selbst nie ausgelernt haben?
Ja, das zeigt allein ein Blick auf die vergangenen 15 Jahre, in denen man in allen Ingenieurdisziplinen quasi einen zweiten Beruf zusätzlich erlernen musste: die Computernutzung.Wer heute als ElektrotechnikerIn oder PhysikerIn sein Fach nicht computerbasiert beherrscht, kann den Beruf überhaupt nicht mehr ausüben. Reine InformatikerInnen werden gar nicht so oft gebraucht, gefragt sind hingegen die Verbindungen zwischen Fach und Informatik.
Der Computer ist zum Standard geworden. Was kommt in den nächsten Jahren?
Jetzt kommt die Phase der Internationalisierung. Hochqualifizierte Berufe kann man gar nicht mehr national ausüben, denn allein die Forschungsbudgets und die Firmenstrukturen werden zunehmend zu länderübergreifenden Einheiten.
Was hat das zur Folge?
Dass IngenieurInnen viele Leistungen zeitgleich interaktiv vollbringen. Diese haben nicht nur in „ihrem“ ureigensten Metier sattelfest zu sein, sondern sollen gleichzeitig auf hohem Niveau Informations- und Kommunikationstechnik anwenden, im Team arbeiten, international kommunizieren, mit KundInnen verhandeln und unter Umständen Führungsqualitäten zeigen. Man erbringt Leistungen nicht isoliert (im stillen Kämmerlein), sondern interaktiv mit KollegInnen, mit KundInnen, die oft weltweit verstreut sind und doch – dank der Kommunikationstechnik – wiederum jederzeit greifbar sind. Hier wird das Verstehen verschiedener Kulturen immer wichtiger.Wenn man die Forschungsabteilungen großer Konzerne ansieht, arbeiten da heute schon Damen und Herren aus allen Kontinenten und Kulturen. Die Qualifikationen, die die TechnikerInnen von morgen brauchen, sind also vielfältiger, als sie es je waren.
Sie haben untersucht, welche Fachbereiche besonders gute Chancen bieten. Wo werden künftig besonders viele TechnikerInnen gebraucht?
Derzeit besteht ein richtiger Mangel nur bei den Diplom-IngenieurInnen und da vor allem in Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallurgie oder Kunststofftechnik. Die Studien, die dorthin führen, sind bekanntlich sehr intensiv, vor allem am Anfang, und haben bisher sehr lange gedauert. Die Studiendauer wird aber auch an den Universitäten durch die neue Struktur mit Bachelor und Master kürzer, ein erster Abschluss rückt in eine „realistische Nähe“. Ein dreijähriges Technikstudium als Einstieg sollte mehr junge Leute ansprechen, der Aufbau ist ohnedies möglich – auch berufsbegleitend.
Setzt man mit diesen Fachrichtungen auch langfristig aufs richtige Pferd?
Im Grunde genommen ja. Aber die Industrielandschaft wird bunter werden und es kommen sicher neue Bereiche dazu, zum Beispiel Mikrosystemtechnik, Medizintechnik, neue Werkstoffe, aber auch Biogenetik und Biotechnologie. Das beginnt natürlich damit, dass wir in diesen Bereichen Fachkräfte auf Hochschulniveau ausbilden müssen. Neue Schwerpunkte, etwa im Bereich Biotechnologie in Wien, sind schon im Entstehen.
Warum sehen Sie gerade im Forschungs- und Entwicklungsbereich so gute Entwicklungsmöglichkeiten?
Wir produzieren heute in Österreich und Europa viel mehr Güter als noch vor 20 Jahren, und vor allem immer intelligentere. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Mittlerweile haben die meisten erfolgreichen Produkte einen beachtlichen Forschungs- und Entwicklungsvorlauf, es steckt also Know-how dahinter. Allerdings nicht nur in der Produktion. Auch im Marketing, im Vertrieb und der Kundenbetreuung. Rund um diese Produkte werden zunehmend gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht. Hier, an der Schnittstelle zwischen Technik und Management, sind die AbsolventInnen der Fachhochschulen sehr gefragt.
Erklärt das den Boom, den die Fachhochschulen derzeit erleben?
Zum Teil ist es sicher so, dass die ständige Höherentwicklung der Produkte und der Herstellung neue Arbeitsplätze schafft, die neue Qualifikationstypen erfordern. Vor allem Mehrfachqualifikationen sind wichtig. Die Fachhochschulen haben sich darum sehr bemüht. Der Boom hat aber auch noch andere Gründe. Die Fachhochschulen werden breit regional angeboten, sie verfolgen das Seminarprinzip mit verbindlichem Lehrplan und verbindlicher Dauer. Daraus resultiert eine relativ hohe Erfolgsquote. Das Seminarprinzip wird oft fälschlich als Verschulung abgetan, ist aber Grundelement jeder Eliteuniversität im englischsprachigen Raum.
Sind wir ÖsterreicherInnen eigentlich mobil genug für die Internationalisierung?
Leider ist die Mobilität vor allem innerhalb des eigenen Landes immer noch zu gering. Interessanterweise gehen ÖsterreicherInnen lieber für eine gewisse Zeit ins Ausland als in eine andere Region Österreichs. Das gilt vor allem für die Uni- und FH-AbsolventInnen, deren Fremdsprachenkenntnisse sehr gut sind. Sprachen – Englisch, aber auch zum Beispiel Ostsprachen – sind für TechnikerInnen der Zukunft extrem wichtig. Denn die Arbeit in weltweit aktiven Unternehmen umfasst häufig Projekte mit internationalen Teams, die im Ausland anzubahnen oder auch abzuwickeln sind.
Mehr Infos zu den Ausbildungstrends:
www.ibw.at
www.bic.at
www.ifz.tugraz.at
www.studienwahl.at
www.mpg.at

