DIGITAL DURCHS SCHLOSS

Die perfekte Partnerschaft: Malerei und Computer

Als 17-Jähriger hatte Michael Lankes zwei Leidenschaften: die Malerei und den Computer. Heute nimmt er an der Universität Salzburg den Gesichtsausdruck von Avatar & Co. unter die Lupe.

Mit 17 wollte ich Malerei studieren. Doch weil mich auch alles, was mit Computer zu tun hat, fesselte, habe ich mich dann für das Fachhochschulstudium MultiMediaArt entschieden“, erzählt Michael Lankes. Hier konnte er seine EDV-Leidenschaft mit seinen künstlerischen Ambitionen kombinieren. 2002 machte er seinen Diplomabschluss und arbeitete anschließend im FutureLab des Ars Electronica Centers in Linz. FutureLab, das ist ein Medienkunstlabor, bei dem sich künstlerische und technologische Innovationen gegenseitig inspirieren. Die Teams des Labors kommen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen, handeln bereichsübergreifend und sind international vernetzt. Man entwirft und realisiert Ausstellungsprojekte, künstlerische Installationen und arbeitet dabei mit Universitäten und der Privatwirtschaft zusammen.

Schönbrunn around the world

Eines der größten FutureLab-Projekte bislang war für Michael Lankes die Visualisierung zweier Räume im Schloss Schönbrunn in Wien. „Dabei haben wir das rosa Zimmer und den Zeremoniensaal Stück für Stück abfotografiert, um beide dann mit einem 3-D-Architekturprogramm im Computer nachzubauen“, beschreibt Lankes die Grundzüge des Auftrages. Die Zimmer sind interaktiv begehbar, die Anwendung ermöglicht ein völliges Eintauchen in das Bilderlebnis, ohne dass man selbst in Wien sein muss. Mittels Joystick kann man sich frei im Raum bewegen und Finessen imperialer Kultur aus einer Nähe betrachten, die in der Realität aufgrund von Absperr- und Schutzvorrichtungen nicht möglich ist. Und wozu das Ganze? Um das Schloss Schönbrunn in aller Welt auf eine Aufsehen erregende Art und gleichzeitig mobil präsentieren zu können. „Spannend war vor allem die Zusammenarbeit mit Leuten aus den verschiedensten Bereichen wie aus der Physik, der IT oder den Materialwissenschaften. Das interdisziplinäre Arbeiten taugt mir“, sagt Michael Lankes. Nicht nur technisch begeisterte er sich für dieses Projekt, auch künstlerisch konnte er sich austoben: „Wo wir etwas nicht fotografiert haben, sind meine eigenen Vorstellungen in die 3-D-Simulation eingeflossen. Aber natürlich merkt man das nicht“, lacht Lankes.

Gulliver reist noch immer

Anschließend versetzte er sich im FutureLab in eine Märchenwelt. „Mit der Installation ,Gullivers Welt‘ kann man sich spielerisch an den Bau von virtuellen Städten heranwagen“, erklärt Michael Lankes. Das einzig Reale daran ist ein Tisch, der als Bühne des digitalen Theaters fungiert und auf den allerhand projiziert wird. Und damit taucht man auch schon in die digitale Dimension ein. Denn „Gullivers Welt“ ist eine Computeranwendung, die es Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erlaubt, ohne Maus und Tastatur in andere, selbst geschaffene und virtuelle Welten, einzusteigen. „Vor allem nimmt das Spiel den Kindern die Angst vor digitalen Medien“, erklärt Michael Lankes. Das Spannende für Groß und Klein: Die BesucherInnen müssen sich nicht mit vorgegebenen Umgebungen und Charakteren begnügen, sondern können „Gullivers Welt“ und ihre Bestandteile selbst gestalten. Man stelle sich ein digitales Theater vor, in dem man an sieben Stationen in die Rollen der BühnenbildnerInnen, RequisiteurInnen, der RegisseurIn und der SchauspielerInnen schlüpft. „Vor allem Kinder können bei diesem Spiel einiges lernen“, sagt Lankes.Wenn am Anfang des Spieles Figuren und Objekte aus einer Knetmasse modelliert werden, wird den Youngsters das händische Gestalten von verschiedenen Formen vertraut. Kombiniert man später seine Charaktere mit den Objekten seiner MitspielerInnen, erlebt man den virtuellen Umgang mit anderen. Versetzt man sich in die virtuelle Welt, indem man sich mit einer Videokamera aufnimmt, bekommt man ein Gefühl für seine eigene Wirkung, man lernt sozusagen sein Fremdbild kennen. Damit wird „Gullivers Welt“ auch für Erwachsene zum Aha-Erlebnis! Aktuell arbeitet Michael Lankes am Zentrum für Kommunikationstechnologie und Gesellschaft ICT&S der Universität Salzburg. Hier will er seine Doktorarbeit zum Thema „Künstlich erstellte Körpersprache in Computerspielen“ fertig stellen. Figuren wie Avatar, Naruto und Co. zählen damit zu seinem täglichen Brot. Sein Schwerpunkt: die Gefühle in der Mensch-Maschine- Interaktion. „Unser Institut ist eine Mischform zwischen Kommunikationswissenschaften und Informatik, aber es finden sich in unserem Team auch SoziologInnen und PsychologInnen“, erklärt Lankes. Die Anwendungen, an denen er mit seinen KollegInnen arbeitet sind weit gefächert. Neben Computerspielen wird der Gebrauch von Handys untersucht und an der idealen Fernbedienung gefeilt.

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Fachhochschule Salzburg
Standort: Campus Urstein
Studiengang: MultiMediaArt
Dauer: 4 bzw. 6 Semester
Abschluss: Bachelor bzw. Magister
Berufsfelder: Mediendesign, Fernsehen,
Hörfunk, Computeranimation, Film

Urstein Süd 1
5412 Puch/Salzburg
T 050.2211-0
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